Die Sehnsucht, die uns sucht
Niemand sucht ohne Grund.
Jede Sucht ist eine Antwort,
ein Versuch, eine Leerstelle zu füllen,
die irgendwann zu groß wurde für ein Kinderherz.
Wir sprechen viel über Substanzen, wenig über Sehnsucht.
Doch Sehnsucht ist der eigentliche Motor der Sucht.
Der Rausch ist nur das Pflaster.
Die Leere ist die Wunde.
Was suchen wir wirklich?
Nicht Alkohol.
Nicht Dopamin.
Nicht Betäubung.
Wir suchen:
- Frieden im Körper
- Wärme im Herzen
- Zugehörigkeit
- das Gefühl, richtig zu sein
- Berührung
- Sinn
- ein Zuhause in uns
Alles zutiefst menschlich.
Nichts davon beschämend.
Sucht entsteht, wenn Sehnsucht nicht gehalten wird
Wenn niemand da war,
als es innen laut wurde.
Wenn niemand sagte:
„Ja, du fühlst zu viel –
komm, ich halte das mit dir aus.“
Sucht ist oft ein Versuch,
sich selbst auszuhalten.
Mit den falschen Mitteln,
aber der richtigen Intention.
Die Wahrheit, die niemand ausspricht
Süchtige sind oft hochsensible Menschen.
Sehr reflektiert.
Sehr tief fühlend.
Oft zu tief für eine Welt,
die Härte über Sanftheit stellt.
Sucht ist nicht das Problem.
Sie ist der Symptom-Schrei einer überfluteten Seele.
Und die Heilung?
Sie beginnt nicht mit „Nein“.
Sie beginnt mit:
„Ich sehe dich.“
Mit Verständnis.
Mit Bindung.
Mit Ehrlichkeit.
Mit jemandem, der nicht wegschaut.
Denn jede Sehnsucht,
die gesehen wird,
hört irgendwann auf zu schreien.
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