4. Artikel, Wenn der Rückfall ruft – und die Seele flüstert: „Bleib.“

Veröffentlicht am 11. Januar 2026 um 08:02

Wenn der Rückfall ruft – und die Seele flüstert: „Bleib.“

Rückfälle sind keine Niederlagen. Sie sind Botschaften,

oft viel ehrlicher als all unsere Pläne.

Sie zeigen uns nicht, dass wir versagt haben – sondern dass etwas in uns noch ungehalten, noch ungeweint, noch ungetröstet ist.

Wir sprechen selten darüber, weil Rückfälle uns peinlich sind.

Sie fühlen sich an wie ein Beweis unserer „Schwäche“.

Doch in Wahrheit sind sie der Moment, in dem die Seele sagt:

 

„So wie bisher geht es nicht mehr.“

 

Der Rückfall ist ein Wegweiser, kein Urteil

 

Wenn du wieder dorthin greifst, wo du eigentlich nicht mehr hin wolltest, dann ist das kein Zeichen mangelnder Stärke – sondern ein Zeichen:

 

Du brauchst gerade mehr Halt, als dein System erzeugen kann.

 

Das Nervensystem fällt nicht zurück, weil es dich sabotieren will.

Es fällt zurück, weil es dich schützen möchte.

Mit den Mitteln, die es kennt.

 

Was wirklich heilt, ist nicht Abstinenz

Sondern Bindung.

Verbundenheit.

Ein Mensch, der sagt:

„Ich bleibe da.

Mit dir.

Auch jetzt.“

 

Darum ist Rückfallarbeit so tief.

Es ist keine Kontrolle.

Es ist ein Wieder-Lernen von Nähe.

 

Rückfälle zeigen dir, was fehlt

 

Manchmal ist es Ruhe.

Manchmal Berührung.

Manchmal eine Grenze.

Manchmal Wut, die endlich gesehen werden will.

Manchmal Einsamkeit, die schon zu lange schweigt.

 

Wenn wir das verstehen,

beginnt die Magie:

 

Der Rückfall muss nicht mehr kämpfen,

um gehört zu werden.

 

Ein Rückfall ist ein Ruf nach dir selbst

 

Nicht nach dem alten Muster.

Nach dir.

Nach deinem echten Gefühl.

Nach deiner Wahrheit.

Nach deinem Atem.

 

Und so ist der Rückfall –

wie seltsam es klingen mag –

nicht der Feind.

 

Er ist ein Tor.

 

Ein Tor, durch das du gehen kannst,

wenn du den Mut hast, hinzusehen,

statt dich zu schämen.

 

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