3. Artikel, Die stille Kunst des Aushaltens

Veröffentlicht am 4. Januar 2026 um 08:02

✨ 3. Artikel, Titel: Die stille Kunst des Aushaltens

Es gibt Momente, in denen nichts mehr geht.

Kein Rausch. Keine Flucht. Keine Ablenkung, die schnell genug wäre, um die Welt wieder sanft zu stellen.

Und plötzlich stehst du da,

nackt im eigenen Gefühl,

ohne Ausweg, ohne Trick,

ohne das alte Muster, das dich sonst gerettet hat.

 

Viele nennen das Krise.

Ich nenne es einen heiligen Augenblick.

 

Denn bevor sich ein Mensch verändert,

gibt es diesen stillen, fast schmerzhaften Punkt,

an dem die Seele beschließt:

„Ich renne nicht mehr.“

 

Das Aushalten ist kein Leiden – es ist Mut

 

Wir haben verlernt zu bleiben.

Zu bleiben in unangenehmen Gefühlen,

in Unsicherheiten,

in Stille,

in Traurigkeit,

in der Leere zwischen zwei Atemzügen.

 

Die moderne Welt hat uns beigebracht:

Wenn’s weh tut – weg damit.

Wenn’s schwer wird – betäuben.

Wenn’s leer wird – füllen.

 

Doch Heilung arbeitet anders.

Heilung ist leise.

Und sie ist meist unangenehm ehrlich.

 

Aushalten bedeutet nicht, sich zu quälen.

Aushalten bedeutet:

Ich halte mich selbst aus.

Mit allem, was in mir lebt.

 

Warum wir Gefühle fürchten

 

Nicht, weil sie zu groß sind.

Sondern weil wir irgendwann alleine damit waren.

Weil niemand da war, der sagte:

 

„Bleib.

Ich halte das mit dir aus.“

 

Und so glaubte ein jüngerer Teil in uns,

dass Schmerz tödlich ist,

Schwäche gefährlich,

Leere ein Abgrund,

und Trauer ein Verrat an der eigenen Stärke.

 

Doch das stimmt nicht.

Gefühle wollen nicht zerstören.

Sie wollen erlösen.

 

Aushalten ist ein Wiedersehen mit deinem inneren Kind

 

Wenn du jetzt in einer Emotion bleibst,

die früher zu groß für dich war,

dann sagst du unbewusst:

 

„Diesmal bin ich da.

Diesmal musst du nicht alleine durch.“

 

So heilt Trauma.

So heilt Sucht.

So heilt ein Mensch,

der lange laufen musste.

 

Der Moment, in dem sich alles wendet

 

Es geschieht nicht auf Kommando.

Nicht nach Plan.

Nicht im perfekten Setting.

 

Es geschieht oft in diesen unscheinbaren Sekunden,

in denen du das unangenehme Gefühl nicht wegdrückst,

sondern einmal ganz tief durchatmest

und es da sein lässt.

 

Dieser eine Moment ist der Wendepunkt.

Er ist klein.

Er ist still.

Und er verändert alles.

 

Aushalten bedeutet: Du vertraust dir wieder

 

Nicht darauf, dass es leicht ist.

Sondern darauf, dass du bleibst.

Dass du dich nicht verlässt.

Dass du dir selbst nicht wieder davonläufst.

 

Dieses Vertrauen ist die wahre Nüchternheit.

Die wahre Freiheit.

Der wahre Weg zurück in dein Leben.

 

Und irgendwann passiert etwas Wunderbares

 

Du wachst auf

und spürst:

 

„Es tut nicht mehr so weh wie früher.“

„Ich renne weniger.“

„Ich halte mehr aus als ich dachte.“

„Ich bin bei mir.“

 

Und das ist kein Triumph,

kein Feuerwerk.

Es ist etwas Größeres:

 

Es ist Frieden.

Ein leiser.

Ein echter.

Ein verdienter.

Die stille Kunst des Aushaltens

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